Ristorante Toscana – Hin und wieder weg

Ja, es gibt so Abende, da hat man einfach Hunger, stürmt los und weiß nicht so recht wohin. Das kann daran liegen, dass man mit einer Begleitung unterwegs ist, deren Geschmack man nicht kennt oder man sich nicht weit bewegen will, um schnell wieder aufs Sofa zu kommen. Und dann landet man bei einem Italiener, weil man glaubt, damit nichts falsch machen zu können. Doch man kann. Die Kunst einer guten Gastronomie besteht darin, die jeweilige Situation des Gastes aufzufangen. Ist Er oder Sie neu, begrüßt man ihn freundlich. Ist jemand müde, so munternd man die Person mit einem Aperitif oder Espresso auf. Kann derjenige sich nicht für ein Gericht entscheiden, bietet man ihm schmackhafte Tagesspezialitäten an. Es gibt viele Möglichkeiten, dass der Gast sich wohl und willkommen fühlt.

Wie man Kunden am besten nicht behandelt, das hat der Kellner aus dem Restaurant Toscana in Oberricklingen bestens vorgemacht. Das „Hallo“ oder „Guten Tag“, was auch immer er gesagt hat, er nuschelt es notgedrungen vor sich hin. Sein Blick ist scheu bis genervt, kein lächeln ist zu erkennen. Schnell suchen wir uns eine Sitzmöglichkeit und nehmen am nicht eingedeckten Tisch Platz. Auch die übrigen Tische sind weder mit Tischdeko oder Salz & Pfeffer versehen. Das wirkt sehr lieblos. Und dann geht alles ganz schnell. Mein Begleiter wählt vorab eine Tomatencremesuppe (4€). Die wird rasch serviert. Zum Hauptgang bestelle ich einen Salat mit Hähnchenbruststreifen (9 €), dazu einen Lambrusco (1/4l 3,50€) und er eine Pizza Prosciutto (6,50€). Nach nur zehn Minuten stehen die Speisen auf dem Tisch. Sie werden wortkarg serviert. Die Tomatencremesuppe erscheint meinem Begleiter zu lasch und aus dem Sahnehäubchen, ist eher ein Sahnehaufen geworden. Die Pizza ist dermaßen mit Belag überladen, dass der Boden unter fettigem Käse und Schinken zu ertrinken droht. Mein Salat scheint von der Industrie vorgewaschen und fertig geschnitten zu sein, dennoch schmeckt er gut. Das Dressing ist angenehm dezent und das Fleisch von guter Qualität. Trotzdem, nach nur einer halben Stunde sind wir durch und haben keine Lust mehr auf Dessert oder Cappuccino. Zum Abschied bekommen wir noch ein müdes „Ciao“ hinter hergerufen. Gastronomie zum Ankommen, Wohlfühlen und Relaxen sieht anders aus.

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