Raus aus Hannover, das tut uns doch allen hin und wieder mal gut. Ab nach Celle und die Leine gegen die Aller tauschen, Geschäftigkeit gegen Beschaulichkeit, Karpfen gegen Nutrias.
Aber der wichtigste Grund ist ein anderer: in der Residenzstadt können die Besucher Hannovers hochpreisige Sterne-Küche gegen bezahlbare Casual-Fine-Dining Gastronomie eintauschen.
Wir sind auf einem schönen Samstagabend nach Celle gefahren, um im Restaurant „Ernestinum“ essen zu gehen. Der Tipp kam von Nico Kuckenburg aus dem Richards, der gemeinsam mit dem gebürtigen Celler und Chefkoch Benjamin Linke im Maritim Grande Hotel Hannover gearbeitet hat. Nach ein paar Stationen fern der Heimat ist Linke zurückgekehrt. „Ich wohne jetzt schon länger im hier im Landkreis und das passt ganz gut.“ Nach den verschiedenen Stationen wie dem Best Western am Kronsberg und dem Fourside-Hotel in Braunschweig, hat er nun eine neue Wirkstätte gefunden.
Seit Anfang Januar ist er der kreative Kopf an den Kochtöpfen des Ernestinums. Inhaber und auch Ideengeber des hochwertigen Lokals ist Burchard Führer, der auch Betreiber der Hehlentor Residenz ist, in dem das Restaurant untergebracht ist. Der Unternehmer sehnte sich, so die Legende, nach einem weiteren Fine-Dining-Restaurants in Celle in dem er selbst gut und gerne speisen kann. Auf den Namen kam er, da er selbst Abiturient des gleichnamigen Gymnasiums um die Ecke war.
Das in dem kleinen, aber feinen Eldorado der hochwertigen Kochkunst in Interieur und Ausstattung viel investiert wurde, merkt man sofort. Den Besucher erwartet ein edles und stilvolles Ambiente mit 32 Sitzplätzen, modern und keineswegs aufdringlich – ähnlich wie im Restaurant Harzfenster.
Entspanntes Ambiente – gediegenes Interieur im Restaurant Ernestinum

Der Service ergänzt die Umgebung ideal. Restaurantleitung Meinhard Schulze ist Kellner alter Schule. Höflich und gepflegt im Auftreten. Interessiert, aber nicht aufdringlich, bestens geschult, aber nicht altbacken. Er sagt: „Ich bin Restaurantfachmann und seit fast 40 Jahren im Beruf.“ Wir fühlen uns von dem Hannoveraner, der lange als Barchef gearbeitet hat, rundum gut und liebevoll umsorgt.
Aber, und das ist ja wohl das Interessanteste an einem Restaurantbesuch: das Essen. Die Speisekarte liest sich wie eine kreative Reise von Niedersachsen bis an die Côte d‘Azur, nach Sylt und wieder zurück. Facettenreich und sehr inspirierend!
Wir kriegen sofort Hunger und freuen uns auf das 4-Gang-Menü „Ernestinum“, das mit einem Preis von 58 Euro wirklich fair anmutet.

Wir wären ja nicht die Gastrofeen, wenn wir nicht auch sehr großen Appetit hätten. Und so wollen wir nicht nur die gebackene Riesengarnele vorweg kosten, sondern auch die Lammpraline von der Vorspeisen-Auswahl probieren. Und auch das Schollenfilet mit Speck-Beurre-Blanc, Nussbutter-Crumble, Zuckerschoten, geröstetem Blumenkohl und Kartoffel-Erbsen-Püree buchen wir dazu.

Casual-Fine-Dining wie auf Sylt
Und da die eine Gastrofee lieber Fleisch, statt Fisch isst, tauschen wir untereinander auch noch einmal die Hauptgänge aus. Das klappt gerade so: beinahe wäre die Perlhuhn-Brust auf einem Spiegel aus Geflügel-Trüffel-Jus und an bunten Spargelspitzen ohne Rücksicht auf Verluste verspeist worden. Sie kommt also sehr gut an. Nur der einen der Feen ist der Hauptgang zu würzig, die Sauce des Gerichts zu mächtig.
Es ist wahrlich so, dass an diesem Abend viele Geschmackskomponenten auf den Gaumen und somit den Gast einprasseln. Nicht jeder ist für so ein Feuerwerk der Aromen zu haben und mag es schlichter. Aber wir finden die abwechslungsreiche Komposition des Menüs sehr geschmackvoll und meinen, dass im Ernestinum vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis im Kombination mit Geschmack und Kreativität überzeugend ist. Linke, der ab sofort auch einen erschwinglichen Mittagstisch anbietet, sagt: „Wir wechseln alle vier bis sechs Wochen das Menü.“ Es lohnt sich also, immer mal wieder vorbeizuschauen.

Estragon-Mayo | marinierter Kohlrabi | gepickelter Rhabarber | Gerste |
Affilla | Apfel-Verjus Gel

Kataifi | Blumenkohl-Miso-Püree | Rhabarber-Beurre-Blanc-Espuma

Erdbeer-Emulsion | Schnittlauch Öl

Speck-Beurre-Blanc | Nussbutter-Crumble | Zuckerschoten | gerösteter
Blumenkohl | Kartoffel-Erbsen-Püree

Geflügel-Trüffel-Jus | bunte Spargelspitzen | Thymian Polenta | Bärlauch Öl

Crumble / marinierte Erdbeeren / Grapefruit-Waldmeister Sorbet
Unser Fazit: Im Restaurant Ernestinum bekommt der Gast das Rundum-Sorglos-Paket. Ästhetisches Ambiente, Top-Service von ausgebildeten Restaurantfachkräften, gehobene Kochkunst mit Ambitionen zu erstaunlich guten Preisen.
KONTAKT
Restaurant Ernestinum
Harburger Str. 70
29223 Celle
Telefon: 05141 / 90 94 024
E-Mail: ernestinum@fuehrergruppe.de
ÖFFNUNGSZEITEN
Bistro am Mittag:
Montag bis Freitag
von 11:30 bis 14:00 Uhr
Restaurant:
Dienstag bis Samstag
von 17:00 bis 22:00 Uhr
(Küchenschluss: 21:00 Uhr)







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