Verliebter Koch im Exil in Linden

Vor einigen Monaten erreichte mich der Tipp einer Leserin per Email: „Bitte einmal im neu eröffneten Exil in Linden vorbeischauen.“ Gerne – Neueröffnungen sind immer gut und Linden ist sehr sympathisch, da es sich mit einem wunderbaren Absacker in einer der zahlreichen Kneipen verbinden lässt.

Das Exil liegt in Linden am Pariser Platz und wurde im vergangenem Oktober neu eröffnet, renoviert und eingerichtet. Alles wurde erneuert; das Team sowie das Design des Lokals. Auf der Karte findet man nun all das wieder, was man als Klassiker einer guten Crossover Bistro-Küche bezeichnen könnte. Nur Baguettes und die allseits beliebte Currywurst fehlen. Dafür gibt es verschiedene Ofenkartoffel-Variationen, kleine feine Süppchen, Kartoffelgratin, Schweinesteak, Salate und Pasta-Gerichte. Aber es darf noch etwas mehr sein als nur Bistro-Einerlei. Auch Wok-Varianten, wie Hähnchenbruststreifen mit Erdnuss-Soja-Soße (9,50€) oder Garnelen in Ingwer-Chili-Soße (9,90€), jeweils mit Basmatireis serviert, finden sich auf der Speisekarte. Weiterhin gibt es Ausflüge in die indische Küche, mit Tandoori Hähnchenbrust in einer Kurkuma-Kichererbsen Soße (10,80€) und Lammragout in Auberginen-Minz-Koriander-Soße für 13,50€, dazu darf sich der Gast eine der zahlreichen Beilagen, quer durch die Karte, auswählen.
Wir sind an einem Freitagabend dort, und ich erwarte ein gut gefülltes Exil. Doch, Fehlanzeige. Ich vergaß, Linden schläft noch seinen Rausch aus und der 3. Januar ist einfach zu früh, um wieder voll durchzustarten. Noch währen die guten Vorsätze wie „weniger Alkohol“ und vor allem „weniger Essen.“ Auch ich habe mir fest vorgenommen nach Sauerbraten und Hirschragout nun auf die leichte Küche umzusteigen – der nächste Sommer kommt bestimmt. Deswegen steht mein Wunsch schon vor dem Blick in die Karte fest: „Salat mit Hähnchenbruststreifen“. Nur für den Verzicht auf Alkohol bin ich noch nicht bereit. Ich wähle einen kräftigen italienischen Rotwein der Rebsorte Nero d’Avola (0,2/4,90€). Dieser ist ganz nach meinem Geschmack und ergänzt den Salat mit marinierter Hähnchenbrust in Soja-Sesam-Soße (8,90€) gelungen. Das Gericht ist optisch sehr ansprechend. Die Hähnchenstücke sind ummantelt von einer Sesamkruste und sind dekorativ auf dem Feldsalat, der von roter Paprika und Tomaten ergänzt wird, drapiert. Leider überflutet die Soja-Soße das knackige Gemüse und die saftigen Hähnchenstücke. Die Balsamico-Vinaigrette mir frischen Kräutern, die ich zu dem Salat gewählt habe, kommt nicht zum Einsatz. Sie beißt sich mit der stark salzigen Soja-Soße. Schade. Hier wäre weniger, mehr gewesen. Meine Begleitung wählt das Kartoffelgratin mit Räucherlachs und roten Zwiebeln für 9,50€. Sie ist zufrieden, merkt jedoch an, dass auch hier mit Salz gespart hätte werden können.
Trotzdem, wir fühlen uns gut behandelt im Exil. Die Servicekräfte sind aufmerksam, die Stimmung im Lokal ist gemütlich und entspannend. Wir gehen gerne wieder ins Exil, dann zum Beispiel für ein ausgiebiges Frühstück. Bis dahin ist der Koch vielleicht auch nicht mehr verliebt.

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