Schnelligkeit ist keine Zauberei – Manchmal schon

Von Claus Schacht

Zum zehnten Mal näherte sich unser „Kennenlerntag“. Traditionell gehört ein gutes Essen in einem besonderen Restaurant für uns dazu. In diesem Jahr fiel unsere Wahl auf den „Zauberlehrling“ in der Geibelstraße 77, der hannoverschen Südstadt. Nicht zum ersten Mal waren wir dort und so glaubten wir, dass aus erfahrenen und bereits mehrfach erlittenem „Zeitschaden“ die Küche gelernt haben möge.

Hoffnungsfroh, dass der Lehrling die „Zeitgeister“ nun im Griff habe. Nichts dergleichen, aber eines vorweg: Ein tolles Team, dass um den jungen, dennoch kompetenten Chef Roderick von Berlepsch herumwuselt, stets freundlich und bemüht. Aber: wieder hat es gedauert. Wie immer, bei unseren Besuchen. Doch dieses mal wurde unsere Geduld wahrlich auf die Folter gespannt: 70 Minuten Warten auf die Vorspeise; 90 Minuten bis zum Eintreffen des Hauptgangs. Nichts für schwache Nerven und hungrige Mägen. Umso erstaunlicher, dass der Blick in die offene Küche eine entspannte Küchencrew zeigte, die gegen eine sehr hektische Servicetruppe ankämpfte.

Der Zauberlehrling hatte viele Gäste gerufen, diese trafen, wie so häufig, alle auf einmal ein, wie auch die Bestellungen in der Küche. Die warme und besondere Atmosphäre, eine phantastische Weinkarte und die illustren Gäste bereiteten uns dennoch einen schönen Abend. Das Brot, dass trotz mehrfacher Ankündigung nur einmal kam, überbrückte die Zeit bis zum ersten Gruß aus der Küche, einem gelungenem Entenragout.

Dann endlich der erste Gang. Meine Begleitung bekam zur Vorspeise ein Carpaccio von Roter und Gelber Beete mit Ziegenkäsebrösel und ein wenig Kresse (8,50€). Solide und schmackhaft, aber auch nicht mehr. Jeder Hobbykoch bekommt es schneller und mindestens genauso, wenn nicht sogar besser hin; ein Thymianakzent wäre mehr als hilfreich gewesen. Die Portion war sehr überschaubar. Im Vergleich zu meinen kaum auffindbaren „Variationen vom Ziegenkäse mit Clementinenkompott“ aber eine geradezu gigantische Einlassung, die geschmacklich durchaus von Raffinesse geprägt war. Das Kompott bestand allerdings nur aus einem Spalten einer Frucht. Für 10€ eine zauberhaft kleine Variante. Begleitet wurden wir von einem Weißburgunder aus dem Badischen. Ein schöner eleganter Wein, mit einem Hauch Aprikose, fruchtig und angenehm im Abgang. Die Weinkarte im Zauberlehrling ist bombastisch und lässt keine Wünsche offen. Wer tiefer in die Fein- und Besonderheiten der Berlepschen Vinothek eingeführt werden möchte, kann gesonderte Abende mit dem Chef verbringen. Eine Qualität, die in Hannover ihres gleichen sucht.

Die Hauptspeisen kamen spät, aber sie kamen. Gebratener Zander auf Blattspinat mit sauren Linsen und Blutwurstpralinen (22€) für meine Begleitung. In der Tat eine hervorragende geschmackliche Entschädigung für hungriges Warten, dass durch einen erneuten Gruß aus der Küche – Erbsensüppchen – erleichtert wurde. Am Zandergericht gab es nicht auszusetzen. Im Gegenteil; eine wirklich gelungene Komposition! Bravo. Die als Klassiker geführten „Kalbsbäckchen mit glasiertem Wurzelgemüse“ (23€) erfreuten mich sehr, zumal hier eine wunderbare Soße gereicht wurde, die die Klasse der Küche eindeutig erkennen lässt. Ein stimmiges, sehr leckeres Gericht, dass ich jederzeit aufs Neue bestellen würde.

Fazit: Wer in den Zauberlehrling geht braucht Zeit; wird aber durch eine ambitionierte regionale Küche mit beschriebenem Verbesserungspotenzial entschädigt. Eine angenehm überschaubare Speisekarte sowie eine große Weinkarte mit überragenden Weinen, aber auch preislich grundsoliden Angeboten. Trotz der erheblichen Zeitmängel, haben wir einen unvergesslichen Abend verbracht. Wer Zigarren mag oder einfach nur in der Lounge rauchen möchte, findet hier einen entsprechenden Raum. Die gesamte architektonische Gestaltung des „Zauberlehrlings“ im Zusammenspiel mit engagierten Servicekräften und einer gelassenen Küchencrew lassen vermuten, dass es nicht unser letzter Besuch gewesen sein dürfte. Die Geister werden uns rufen; Vorbestellung ist auf jeden Fall zu empfehlen.

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