Fußballfreuden und die etwas andere Currywurst

Es ist Samstagabend. Ich sehne mich nach niedersächsischer Bodenständigkeit, anstatt schickem mediterranem Ambiente. Wenn ich des Großstadtlebens überdrüssig bin und keine Lust mehr auf „cool“ und „hip“ habe, fahre ich nach Hemmingen – in meine Heimatstadt. Ein paar Kumpels gibt es immer, die in einer der paar guten Lokalitäten irgendwo ein Bier trinken. Wenn Fußball ist, dann trifft man sich im Clubheim des SC-Hemmingen Westerfeld.

Auch wenn ich Fußball nur sporadisch verfolge, beruhigt mich die besondere Atmosphäre, die dann herrscht. Regen sich die anderen auf – bleibe ich ruhig. Schießt jemand ein Tor – bekomm‘ ich es nicht mit und jubeln die anderen, weiß ich nicht warum. Aber genau das ist ja das Schöne: Ich genieße es, auch mal nicht mitreden zu können. Dann gucke ich einfach zu, wie bei anderen der Blutdruck steigt, während dieser bei mir von Bier zu Bier sinkt. Herrlich!

Die Sportgaststätte des SC-Hemmingen Westerfeld wurde 2011 komplett renoviert und wird seitdem liebevoll von Doris Sprenger und ihrem Team geführt. Weitab von jeglicher Hektik ist es ruhig und idyllisch an den Hemminger Kiesteichen gelegen. Wer bei einem Clubheim an vergilbte Wände und verrauchte Räume denkt, der liegt hier falsch. Ausgefallene Lampen und witzige Leuchtinstallationen sorgen für ein warmes Ambiente; dazu schmücken schnörckelige Blumenverzierungen die Wände. Man könnte fast sagen – ein feminines Clubheim, in einer männerdominierten Welt.

Doch das kommt gut an: Auf einem Samstagabend um 18:30 Uhr ist der Raum vor der riesigen Leinwand gut gefülllt und in der Raucherlounge sitzen auch einige Leute. Es ist wirklich gemütlich hier. Das Gilde Ratskeller (0,3l/2€) fließt und die Männer johlen – ich entspanne. Natürlich knurrt mir nach getaner Arbeit im Fitnessstudio der Magen. Die Currywurst mit Pommes (5,50€) lächelt mich von der übersichtlichen Karte an. Der Wille zur gesunden Ernährung besiegt die Lust auf Jägerschnitzel, Boulette und Co. Ich wählen den gemischten Salat mit Putenbrust und Schafskäse (8,90€). Meine Extra-Wünsche werden erfüllt; keine Paprika und das Dressing bitte seperat servieren. Für die sympathische Kellnerin Moni kein Problem. Gut Ding will Weile haben und so warte ich eine weitere Bierlänge auf mein Gericht. Die Vorfreude bestätigt sich. Der Salatteller ist hübsch angerichtet und die ersten Bissen verheißen nur Gutes. Es schmeckt und die Portion ist üppig. Das Fleisch ist zart und aromatisch mariniert. Das cremige Dijon-Senf-Dressing ist von der Chefin hausgemacht und gibt dem Gericht einen würzigen Pfiff. Dazu wird eine Scheibe geröstestes Toastbrot gereicht. Die Speisen der übrigen Gäste sehen auch sehr gut aus. Rote Grütze mit Vanilleeis oder gebackener Camembert mit Preiselbeersauce – die Küche hält noch einige Leckereien bereit und die Theke auch. Außer Gilde gibt es noch Krombacher vom Fass.

Und das Hannover 96 gegen Mönchengladbach 3:1 gewonnen hat, das habe ich während meiner Großstadt-Auszeit dann auch noch mitbekommen.

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