Wenn man das Tesoro an der Marienstraße gegenüber der Aral Tankstelle betritt, sticht einem sofort das elegante Ambiente in die Augen. Warme Farbtöne in braun und beige bestimmen das Design des italienischen Restaurants in der Südstadt. Edel und modern sowie nach den neusten Trends der Innenarchitektur eingerichtet, zieren helle Lichtinstallationen die Bar; Holz und Leder sind die Materialen der Möbel. An diesem Abend strahlt uns ein kühl-grelles Blau von der Theke entgegen und so essen wir in einer futuristischen Atmosphäre. Wir sind gespannt auf die „avantgardistische“ und „fantasievolle“ Küche, wie sie auf der Homepage angepriesen wird.
Der Laden ist voll – fast jeder Tisch des noch relativ neuen Lokals ist mit meist älterem und gut betuchtem Publikum besetzt. Unser Tisch liegt direkt am Durchgang zu einem kleinen Nebenraum – ruhig ist es dort nicht. Zügig kommt Kellnerin Nummer Eins an den Tisch und liest uns zwei weitere Gerichte außerhalb der Speisekarte von einem kleinen Block vor. Die Tagesempfehlung für die Vorspeise lautet gebratene Mozzarella auf Feldsalat mit Trüffelöl und als Hauptgericht gibt es ein Black Angus Steak. Das klingt verheißungsvoll! Kellnerin Nummer Zwei bringt den Gruß aus der Küche. Ein grünes und cremiges Püree mit Minze verfeinert, vermutlich aus Kichererbsen. Dazu gießt sie uns ungefragt etwas Öl in eine kleine Schüssel, wir sollen anscheinend das Brot dort hinein tauchen. Dann kommt Kellner Nummer Drei und nimmt die Getränkewünsche auf. Ich wähle ein Glas von einem offenen Bardolino und mein Begleiter eine Coca Cola. Vorweg entscheiden wir uns für Bruschetta und die gebratene Mozzarella, die wiederum von Kellnerin Nummer Zwei an den Tisch gebracht werden. Für die Hauptspeise wählt meine Begleitung die Tagliatelle mit Rinderfiletspitzen sowie Kirschtomaten (12,90€) und ich den gemischten Salat mit Scampis (12,50€). Die Gerichte werden wiederum von Kellner Nummer Drei gebracht und von Kellner Nummer Vier wieder abgeräumt. Es herrscht ein ständiges Gewusel um unseren Tisch herum. Fast jedes Mal wenn wir einen Satz beginnen, kommt uns jemand des Service-Teams dazwischen und stört den Fluss der Unterhaltung. Echt unpassend bei einem Date. Bei Kellnerin Nummer Fünf bestellen wir schließlich die Rechnung, die von Kellner Nummer Sechs gebracht wird.
War meine Vorspeise noch ein Genuss und die Bruschetta auch schmackhaft zubereitet, bin ich bei meinem Hauptgang enttäuscht. Die Scampis scheinen nicht mehr ganz frisch zu sein und kommen unspektakulär auf grünem Blattsalat mit geraspelten Karotten, vier Gurkenscheiben und fünf Tomatenviertel daher. Das Dressing, das mir vom Kellner angemacht wird, besteht nur aus Öl und Essig mit etwas Salz und Pfeffer. Es fehlt der Pfiff! Keine gerösteten Kerne, fruchtige Obstspalten oder gehobelter Parmesan, was auch immer – aber es fehlt. Die Rinderfiletspitzen meines Gegenübers gleichen Gulasch-Fleisch und die Sauce schmeckt nach Brühe – einfach viel zu salzig.
Avantgardistisch und fantasievoll ist in diesem Laden lediglich das Interieur. Schade, das Tesoro hat auf seiner Internetseite mehr versprochen, als es halten kann. Vielleicht sollten die Betreiber einen italienischen Koch einstellen, um ihre Versprechungen „Besonderheiten Italiens auf höchstem Niveau“ einhalten zu können. Ansonsten sollte man sich lieber der kultureigenen Küche widmen, dann klappt es eventuell auch mit der Authentizität.







Hinterlasse einen Kommentar